Das Ding, das sich Filmmusik nannte…

Wer Filmmusik hört, denkt an Themes von Star Wars, coole Songs, die in Filmen vorkommen oder manch einer vielleicht sogar an rasante Stücke von The Dark Knight. Dabei ist Filmmusik mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Und der beste Score scheint der zu sein, der gar nicht mehr auffällt. Es ist wie beim VFX-Artist: Das beste Lob das er kriegen kann ist “Welche CGI?”.
Musik in Filmen kann auffallen, muss aber manchmal auch in den Hintergrund verschwinden um den Film nicht zu gefährden. Sie kann allmögliche Formen annehmen. Es gibt glaub ich kein Bereich in der allgemeinen Musik, der komplexer ist. Man könnte Filmmusik auch manchmal als Mix aus verschiedenen Stilen zusammenfassen. Da gibt es keine Grenzen. Einfaches “Klaviergedudel” kann treffend sein, wie aber auch verzerrte rythmische Geräuschkulissen, aber auch den schlimmsten Heavy Metal, den man sich vorstellen kann. Und man muss diese Musik noch nicht mal mögen. Sofern sie aber eine Szene unterstreicht, ist sie schon wieder gut.
Man kann sagen, dass man Filmmusik nicht in “gut” oder “schlecht” einteilt, nein viel mehr in “passt” oder “passt nicht”. Und hier fängt wohl ein großes Problem an, das immer ein Hindernis im Weg hat: Der Geschmack.

Dass man einen Film, sogar eine Szene mit den unterschiedlichsten Filmmusiken unterlegen kann und jedesmal etwas neues mit hineinbringt, macht die Nachbearbeitung eines Filmes unglaublich schwer.
Gerade der deutsche Film scheint aber hier nach dem System zu arbeiten: “Komm’, hauptsach’ es ist nicht so still in der Szene.” Hier scheint Filmmusik eher als Lückenfüller zu dienen, als eine vernünftige Unterlage. Der “Amerikanische Stil” wird oft als schlecht eingestuft. Ist man zu stolz?
Andere Fragen: Haben die Amerikaner den guten Film / die gute Filmmusik gepachtet? Darf man nicht in die Richtung gehen? Gibt es überhaupt einen “Amerikanischen Stil”? Sollen wir das Geld für riesige Orchester ausgeben, wenn wir eh schon nicht soviel Geld für unsere eigentlichen Filme ausgeben?

Die angemessene Antwort oder Reaktion auf diese Fragen wäre: “Hä?”
Thomas Newman macht es so schön vor. Einfache Melodien auf einem wunderbaren Untergrund von Streichern. Meisterwerke für sich. Für Laien scheint sich jeder Soundtrack gleich anzuhören, dennoch erreicht Newman immer etwas verträumtes und bewegendes in den Filmen mit seiner Musik zu erreichen.
Newman? Das ist dieser Komponist von “The Green Mile”, “Die Verurteilten”, “Pferdeflüsterer” (manchen vielleicht ein Begriff :D ),…
Ich will nicht sagen, dass er leicht zu kopieren ist und bitte: Wer will schon kopieren? Gibt doch nichts unehrenhafteres. Aber man kann eine gewisse Stilrichtung einschlagen. Und das ist doch nicht verboten. Die deutschen Filmemacher klauen soviel, warum dann nicht mal einen Musikstil :D Und die heutige Technik macht es möglich, solche klassische Filmmusik am Rechner zu erzeugen – und dessen Qualität wird immer besser..

Deutsche Filme scheinen immer totenstill zu sein. Verwaschene Bilder und kaum Sounddesign. Filmmusik ist, wenn überhaupt vorhanden, eher fehlplatziert und störend. Es gibt Ausnahmen. Ausnahmen, die scheinbar keiner kennt. Ausnahmen wie “Erbsen auf halb 6″, ein Film, bei dem der Titel schon abschreckt – aber dennoch sehenswert ist. Ein kleines leuchtendes Etwas im verkommenen dunklen Sumpf der Filmindustrie. Der Soundtrack mal was ganz anderes – das merkt man schon an der ersten Szene. Ein wunderbares Intro (<- dazu in einem anderen Artikel mehr -.-) mit dieser einfach-wirkenden Musik. Ab und zu ein bisschen russischer Folk, der zwar gewöhnungsbedürftig sein kann und auch nicht jedem gefallen muss, der sich aber gut zum Rest passt.


(“Der Sprung” aus dem “Erbsen auf halb 6″-OST)

Kennen Sie das? Man kann mit einem lustigen und verrückten Musiktrack eine Szene komplett durch den Kakao ziehen. Legen wir das “Benny Hill”-Theme auf eine ernste Szene, schon haben wir die eigentliche emotionale Wirkung um 180° gedreht. Kann man dann mit einer Szene nicht auch eine emotionale Wirkung verstärken?
Sind die deutschen Filmkomponisten (sofern überhaupt welche dazu verwendet werden) zu grob? Denken die: “Damit kriegen wir den Film auch nicht mehr hoch!”?
Ich möchte niemanden runterziehen. Vielleicht weiß auch keiner was er wirklich will. Vielleicht will auch keiner “gute Filmmusik” nachahmen. Vielleicht traut sich auch keiner mal etwas sphärisches und berührendes zu produzieren. Vielleicht soll der deutsche Film einfach nur lustig sein – egal ob es als Drama, Horror oder Komödie ausgegeben wird.
Moment…Horror? Ach ja, kennt man hier ja nicht. Genauso wenig wie Spätzle im Norden :D

Glauben Sie bitte nicht, dass ich nur ein Fan von Ami-Filmen bin. Ich wünsche mir immer und immer wieder mal ins Kino zu gehen und von einem deutschen Film begeistert zu werden. Ein paar Mal hat man es schon fast hinbekommen.
Visuell…
aber auch akkustisch…

…ja, ein paar Mal…

~ von Chris T-Bay am 6. Januar, 2009.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

 
Follow

Get every new post delivered to your Inbox.