Ein Lichtblick…

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Man kann viel über das Deutsche Fernsehen meckern, dennoch scheint es irgendwie Erfolg zu haben – gerade wenn man die verliehenen Fernsehpreise sieht. Man muss doch denken, die müssen es sich ja irgendwie verdient haben. Oder?
Von was sprach also dieser “alte Mann” Ranicki, der da den Preis für sein Lebenswerk gar nicht annehmen wollte. Ist er eitel? Oder verrückt? Ist er eine Gefahr für das Deutsche Fernsehen? Hat man Angst, dass er mehr Kultur und Bildung in die Glotze bringt? Das wir wieder was vernünftiges schauen? Muss er entfernt werden, damit die Show “normal” weiterlaufen kann und nicht mehr durch solche Störenfriede wie Marcel Reich-Ranicki himself unterbrochen werden kann? Ein Literaturkritiker, der gefürchtet aber deswegen auch geliebt wird?

Oder ist er ein Hoffnungsschimmer. Ein Lichtblick?

Es klingt poetisch – ja und übertrieben – genauso wie das Deutsche Fernsehen. Kann man da noch stolz sein, wenn man vorne steht und sich die Preise abholt und jedem Furz dankt?
Ich mein, man will nicht zu hart sein und wir, THE AUDIENCE, haben ja keine Ahnung von den geschäftlichen Dingen “da oben”. Wir wissen gar nicht, wie erfolgreich so manche Sendungen sind. Und wir müssen es ja nicht schauen. Und was läuft, läuft. “Never touch a running system!”
Aber dennoch ist es soweit gekommen, wo man sich beim Schauen (sofern man mal versehentlich den TV angeschaltet hat und versehentlich auf so Sender wie RTL oder SAT.1 geschaltet hat) fragt: Ist das jetzt deren ernst oder seeehr versteckte Satire? Hmm…nein. Satire würde sich da eher erkenntlich zeigen. Nein, es muss ersteres sein. Und kurz darauf schüttelt man den Kopf bei irgendwelchen “Dialogen” und sagt laut vor sich hin: “Nein!”. Einfach nur “Nein!”. Und man schaltet weiter, in der Hoffnung keinen Muskelkater beim Kopfschütteln zu bekommen.

“DANN MACHS DOCH BESSER, WENN DU MEINST DU KANNST DAS!” – Anpassen und Geld verdienen oder “BESSER SEIN” und auf der Strecke bleiben? Sein Butterbrot muss man ja irgendwie verdienen. Man hat eine Familie zu ernähren. Man arbeitet ja beim Fernsehen. Man will viel Geld verdienen. Erfolgreich sein. Hmm. Dann wohl eher anpassen. Obwohl was neues wäre auch nicht schlecht. Hmm…Was haben denn die Amis so…?

Ranicki spricht mir aus dem Herzen, obwohl ich ihn leider nicht so kenne. Aber ich finde es toll, dass er sich nicht alles gefallen lässt und in einer Veranstaltung, die DSDS (das ist diese eine Sendung, wo diese Sprüche von diesem Bohlen da gesammelt und gezeigt werden) prämiert, sich nicht auch noch da oben auf die gleiche Schiene stellen lässt. Damit keiner sagen kann: Wir haben sogar den Ranicki da oben hingebracht – Beweis: Allen, sogar Kritiker, gehts nur um den Erfolg. Irgendwann kriegen wir sie alle…

Eine Sendung mit Ranicki und den Chefs der Öffentlich-Rechtlichen und den Privaten? Was wäre das für ein geniales Konzept. Aber ich denke, vorher gibt es einen vierten Teil von Herr der Ringe, der von Uwe Boll in Szene gesetzt wird, als dass so eine Sendung seine Existenz findet.
“Lass den alten Mann mal reden, beruhige ihn und guckt, dass ihr ihn irgendwie wieder von der Bühne bringt.”

Manche sehen es als Sternstunde, andere als pure Comedy eines 88-jährigen Literaturkritikers. Selbst der Film “Free Rainer” brachte nicht viel. Er sorgte für ein paar Schlagzeilen und nach dem Punkt der letzten Sätze verstummte das Problem wieder.

Ranicki sprach von ARTE, von 3SAT, für viele ein Noname-Sender geworden, die irgendwo auf Kanal 50 aufwärts liegen, bei den digitalen Sat-Empfängern sogar noch nach dem “Jamba”-Kanal (Leute, den gibts echt -.-). Er sprach von untergehenden Perlen des deutschen Fernsehfilms. Indirekt sprach er von einer gesteuerten und recht defekten PR von eben diesen Perlen. Filme, die man nur beachtet, wenn man ganz genau die Fernsehzeitungen studiert. Wenn man sich nicht von dem Standard-Trash blenden lässt, sondern mal tiefer gräbt.
Ja, irgendwo schlummern sie, die guten Filme und Sendungen und träumen von Begriffen wie “PrimeTime”, “Fehrnsehpreise” und ähnlichen Dingen.

Ich sag immer: Was die Japaner an Fantasie in Filmen manchmal zuviel haben, haben wir meist zu wenig. Entweder basteln Filmemacher hierzulande Konstrukte, die so komplex und entfremdet sind, das man recht depressiv und poetisch hochgebildet sein muss, um nach dem Film nicht zu denken: “Warum habe ich diesen Film gesehen?” – oder man stützt sich auf triviale Geschichte, die irgendwie einen Matsch aus sovielen potentiellen Ideenansätzen darstellen, aber irgendwie nie gefruchtet sind. Und selbst wenn man eine gute Idee zu fassen bekommt, stellt man diese so trocken da, dass ein Kaugummi dagegen knusprig erscheint. Und ich rede NICHT von Action. Das ist ein Stilmittel, das man gekonnt und behutsam einsetzen sollte. Nein, ich rede auch nicht von Titten, die die Dynamik und den “Wert” des Filmes/der Sendung nach oben bringen sollen. Ich rede da eher von dem Fremdwort “Emotion”. Das komische Ding, das durch packende Dialoge, wunderbare intensive Filmbilder, die gekonnt mit einem wunderbaren musikalischen Thema begleitet werden, entwickelt wird. Von Geschichten, die nicht dauernd uns unsere Geschichte vorhalten, die nicht dauernd Missstände von armen Gegenden in Berlin zeigen, die nicht dauernd noch eine Krimileiche fordern, damit ein paar Wannabe-Polizisten wieder was zu tun haben, die nicht dauernd uns Beziehungsprobleme uninteressanter Charaktere ins Gesicht drücken – eher Geschichten, die unterhaltend etwas ausdrücken können, das wir noch nicht (so) kennen. Etwas “NEUES”! Und nein, nicht irgendwas Hollywood-Größenwahnsinniges. Haben die in L.A. den guten Film gepachtet? Gibt es da Copyrights drauf?

“Hollywood ist für mich nur ein paar Buchstaben auf nem Berg. Meisterwerke können überall entstehen.”
Aber irgendwie scheint es keiner zu wollen. Immer hopfen dieselben Pappnasen vor der Kamera herum, scheinen nicht gemerkt zu haben, das Theaterschauspiel und Filmschauspiel recht wenig miteinander zu tun haben, und bringen einen trivialen Dialog nach dem anderen heraus.

Und es geht hier nicht um Dinge, die man nur mit Geld korrigieren kann. Es geht wohl eher um die Prioritäten, wie man das Geld aufteilt. Warum nicht einen guten Film oder Folgen einer guten Serie oder eine gute Sendung mehrmals wiederholen, damit es auch mehrere erreicht – anstatt das Geld in zig Folgen eines schwachsinnigen Formats zu stecken, die von Episode zu Episode ungelaubwürdiger erscheint, da dort einem wohl nichts mehr neues einfällt.

Independent-Filmemacher scheinen schon modernere Züge anzunehmen, doch keiner scheint damit irgendwie nach vorne durchzukommen. Auf Festivals werden die Filme gelobt und prämiert und das wars dann. Wer nicht in der Szene informiert ist, wird nie etwas von dem Film hören.
Ein Zusammenschluss der Independent-Filmgruppen scheint aus egoistischen Gründen wohl weniger zu funktionieren. Wenn man schon independent ist, will man auch “sein eigenes Ding” machen und sich nicht reinreden lassen, so wie in den großen Produktionen, die von den großen Sendern ausgehen. Nichts gegen Independent-Produktionen – ganz im Gegenteil: sie sind wohl eher ein Hoffnungsschimmer und zeigen, dass es doch nicht nur Trash gibt.
Also gibt es viele unbeachtete Einzelkämpfer, die wohl nie gegen die großen “Mächte”, wie DSDS oder der ganzen Krimi-Landschaft ankommen.

Naja…wird viel gesprochen und geschrieben…aber dennoch bleibt alles beim alten… -.-

~ von Chris T-Bay am 13. Oktober, 2008.

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