[TUTORIAL] “Der gute Ton” – Teil 3: Nachsynchro und Fertigstellung
In diesem nun letzten Teil von “Der gute Ton” geht es um die Nachsynchronisation und um die Fertigstellung des sogenannten “SoundTracks”, die dann zur Bildspur einer DVD hinzugefügt wird. Auch hier wird wieder teilweise auf das Programm Magix Video Deluxe zurückgegriffen, aber sollte auch mit vielen anderen (Schnitt-)Programmen möglich sein. Manche Angaben beziehen sich auf die Verarbeitung des Tons von “Teil 2: Die Verarbeitung”.
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Es kann ja vorkommen, dass bestimmte Tonpassagen beim Dreh nicht gut rübergekommen sind oder technisch nicht richtig aufgezeichnet werden konnte (z.B. weite Totalen,…). Hier empfiehlt sich nachträglich die Sprache oder Effekte nochmals aufzunehmen. Das nachträgliche Einbauen von Effekten ist ja schon in “Teil 2: Die Verarbeitung” angesprochen worden – mit der Sprache ist das im Grunde nicht viel anders.
Die Schwierigkeit, die hier hinzukommt ist die schauspielerische Begabung. Denn oft hört man es – gerade bei Amateurfilmproduktionen – heraus, wenn nachsynchronisiert wurde. Dies liegt daran, dass man vor dem Computer, unserem “virtuellen Synchronstudio” nicht mehr auf Aktionen anderer Schauspieler oder Ereignisse reagieren kann. So ist es für viele recht ungewohnt, gerade weil man hier auch seiner “realen” Stimme viel näher kommt. Man hört sich selbst schließlich ja ganz anders als andere, da einem meistens die tiefen Frequenzen (bei männlichen Sprechern) fehlen. Bei einer Aufnahme kommt dann immer der Überraschungseffekt “Das bin ich?”. Diese Stufe sollte man also erstmal überwinden, was aber, sofern man die Rolle vor der Kamera gespielt hat, eigentlich schon gewohnt sein sollte.
Außerdem muss man beachten, das eine deutsch-deutsche Synchronisation meist schwieriger ist, als bei einer fremden Sprache (mit der Ausnahme, dass man hier das “Dialogdrehbuch” natürlich schon besitzt, nämlich in euren Drehbuch^^). Hier muss man exakt arbeiten, da in der deutsch-deutschen Synchro jede Verschiebung auffällt, da man als Zuschauer sich an die exakte Lippenbewegung gewöhnt ist, im Gegensatz zur englisch-deutschen, wo man es schon unbewusst gewohnt ist, nicht so exakt auf die Synchro zu achten.
Um eine Nachsynchro recht sauber über die Bühne zu bringen, benötigt man am besten die Schnittdatei, in der ihr auch schon den Ton bearbeitet habt. Das ist ganz praktisch, weil ihr den Ton gleich anpassen könnt. Gerade hier ist es wichtig, das Videofenster so groß es geht einzustellen, damit man auch bei Halbtotalen die Mundbewegung sehen kann.
Als Mikrofon könnt ihr das verwendete Richtmikrofon vom Dreh verwenden, sofern ihr kein gutes Studiomikrofon besitzt. Das Richtmikrofon hat den Vorteil, dass die Qualität gleich an den Rest des Filmes angepasst wird, da ihr kein Mikrofonwechsel hattet.
Desweiteren ist eine stille Umgebung mit wenig Hall wichtig. Wenn z.B. ein Raum wenig Möbel, kein Teppich und kahle Wände hat, kann der Hall, der bei der Synchro mit aufgenommen wird, später unrealistisch erscheinen und Hall ist schwierig zu entfernen. Falscher Hall fällt immer stärker auf, als gar keiner. Also versucht nicht einen Hall zu simulieren, in dem ihr Dialoge an anderen Orten aufnehmt, sondern helft euch mit digitalen Effekten (siehe “Teil 2: Die Verarbeitung”).
Der Sprecher soll sich auf seine Rolle nun gut vorbereiten, gerade wenn er Angst oder Trauer (Emotionsextremen) simulieren muss, ist das sehr wichtig. Seht auch zu, dass ihr ungestört arbeiten könnt, ungebetene Gäste können den Sprecher schnell aus seiner Rolle bringen. Zuletzt müsst ihr mit dem Sprecher noch klären, ob er lieber sitzt oder steht. Wenn manche stehen, können sie sich besser ausdrücken, denn ein Nachspielen der Rolle auch mit ihren Bewegungen kann viel helfen.
Dann geht es eigentlich schon los. Ein paar Sekunden (mit dem Sprecher abstimmen) Filmmaterial werden nun herausgesucht (am besten hier in chronologischer Reihenfolge des Finalcuts). Am besten sind immer einzelne Sätze, je nach Länge auch mal mehrere. Denkt daran, dass ihr Aufnahmen auch später noch schneiden könnt, falls beispielsweise der letzte Teil nicht gut rübergekommen ist. So ist es wie beim Filmton auch, dass man sich die besten Stücke zusammenschneidet, auch mal mitten in einem Dialog abbricht, sofern der Ton sauber genug dazu ist. Man kann später durch Crossfading (siehe “Teil 2: Die Verarbeitung”) Teile mit einander verkleben.
Wie auch bei den “Takes” während des Drehs sollten auch hier bestimmte Teile öfter wiederholt werden, denn manchmal kommt erst nach einer Zeit das richtige Gefühl in einen Satz. Der Sprecher merkt sich den Satz immer besser und kann dann seine Konzentration immer mehr auf die Aussprache richten. Wenn es nicht gleich gut rüberkommt, sollte man evtl. Pausen einlegen und andere Passagen weiter nachvertonen.
Wichtig ist auch zu erwähnen, dass man den Sprecher den vorher vereinbarten Teil fertig sprechen lässt, selbst wenn in dem ersten Satz Fehler drin waren. Ab und zu kommen ganz zufällig interessante Betonungen, da sollte man genug Material sammeln.
Wenn ihr euch bei einer Aufnahme nicht sicher seid, löscht sie nicht gleich, sondern hebt sie auf anderen Spuren noch auf. Magix speichert Aufnahmen teilweise auch alle in einer Spur und trennt diese bildlich durch eine Grenze (ähnlich wie bei einem Filmklappenschlag). Hier kann man auch später nochmals ältere Aufnahmen durchhören. Ab und zu findet sich auf dem “zweiten Blick” etwas passendes.
Sollten in einem Dialog zwei Personen durcheinander reden, nehmt beide Personen einzeln auf, so könnt ihr dann später diese besser anpassen. Beide Dialogteile werden dann übereinander gelegt. In bestimmten Fällen kann man auch eine größere Gruppe gleichzeitig aufnehmen lassen, wenn dies im Film vorkommt (z.B. Anfeuern in einem Stadion, etc.). Das Übereinanderlegen sollte nur bei einzelnen Personen verwendet werden.
Dann noch ein Tipp: Nutzt die Timecodes – viele Programme können diese während des Abspielens einblenden lassen. Dem Sprecher fällt es dann einfacher seinen Einsatz zu finden und ihr könnt koodinierter aufnehmen und schneiden.
Nach der Nachsynchronisation müssen die Lautstärken noch dem Rest angepasst werden (siehe “Teil 2: Die Verarbeitung”). Hinzu kommt eine Qualitätsanpassung. Hier müsst ihr entsprechend dem Originalton eures Drehs den Ton (meistens) verschlechtern. Klingt euer Originalton etwas dumpfer, fällt es später stark auf, wenn ihr hochqualitative, superklare Dialoge mit reinpackt. Schneidet denen also mit dem Equalizer etwas an den Höhen herum (hohe Frequenzen 12 kHz +/-). Andererseit können fehlende Bässe im Originalton angepasst werden. Schaut, dass ihr das beste aus eben dem Originalton herausholt, damit ihr wenig bei den Nachsynchros verschlechtern müsst (wäre schade drum).
Zu guter Letzt kommt noch die Umgebungsanpassung. Wie im 2. Teil gezeigt könnt ihr wie bei den Soundeffekten den Hall anpassen. Befindet sich der Sprechende gerade in einer Kirche? Oder in einem Badezimmer? Jeder Hall hat seine Charakteristik, da solltet ihr mit dieser auch experimentieren. Ihr wundert euch später, wie “echt” das alles klingt^^.
Jetzt denken vlt. viele “Ey, warum synchronisier’ ich dann nicht alles nach, wenn ich da die beste Qualität an der Sprache bekomme”?
Antwort: Der Aufwand. Um ein paar Minuten nachzusynchronisieren gehen je nach Aufwand schon mal eine Menge Zeit drauf. Gerade bei dialoglastigen Filmen ist das mit “Heimmitteln” recht anstrengend. Wenn es ein Kurzfilm von 5 Minuten ist, kann man darüber reden, aber hat man nicht die entsprechenden Schauspieler bekommt man das auch in den 5 Minuten nie glaubwürdig rüber. Außerdem gibt es schwierige Szenen (jemand stirbt), die einfach vor Ort besser rüberkommen, abgesehen von der Aufnahmequalität. Also gerade im Amateurbereich sollte Nachsynchronisation eine Notlösung sein. Nicht umsonst hat man in den Synchronstudios viel Technik und schalldichten Kabinen mit großen Leinwänden. Notlösungen können Fehler im Ton sein (Brummen, Ploppen, ungewünschte Nebengeräusche,…) oder die schon angesprochenen technischen Probleme, wie Einstellungsgrößen oder fehlender Platz für den Tonassistenten in einer Einstellung.
In bestimmten Fällen ist es bei kleinen Fehlern auch sinnvoller eine komplette Einstellung/Szene nachzuvertonen, wenn eine Synchro zu arg auffällt.
Um “Calm Voice” (www.ce-pictures.de/calmvoice – “Kino”) als Beispiel zu erwähnen: Hier wurde die Szene mit Kevins Freund (ab Minute 10:50) komplett nachsynchronisiert (wenn auch nicht immer perfekt), da der Originalton Schrott war. Man merkt auch hier, dass es gerade bei deutsch-deutschen Synchros nicht einfach ist, immer perfekt die Lippenbewegungen zu treffen.
Aber soviel dazu.
. . . F E R T I G S T E L L U N G D E S S O U N D T R A C K S . . .
Nachdem man das für sich “perfekte” Ergebnis aus dem vorhandenen Material (O-Ton, Ambiance, Soundeffekte, Musik, Nachsynchro,…) zusammengebaut hat, sollte man den Ton herausrendern und die .wav-Datei in Kombination mit dem Film anschauen/testen. Mit Virtual Dub hat man die Möglichkeit zu der Filmspur eine externe .wav-Datei hinzuzufügen. Dann kann man aber auch in Magix Video Deluxe in ein leeres Projekt den Finalcut und den FinalSoundtrack übereinander zu legen und das Ergebnis im Vollbild genießen. Kleine Synchrofehler kann man somit gleich ausbessern, da das Rendern des Soundtracks meistens recht schnell geht – im Gegensatz zum Filmbild.
Was nun mit dem Ton passiert, liegt an der gewünschten Verwendung des Filmes.
Internet-Veröffentlichung
Soll der Film “nur” ins Internet, kann man den Finalcut zusammen mit dem Soundtrack direkt speichern (DivX, Xvid, WMV, Bla…^^). Damit die Arbeit hier nicht umsonst war, sollte man bei DivX oder XVid (wie auch manch anderen Videocodecs) den Ton im MP3-Format mit annehmbaren Bitraten speichern (128 kbit/s oder höher, Stereo). Das sichert eine vernünftige Synchronisation von Bild und Ton und ist so gut wieder überall abspielbar.
DVD-Veröffentlichung
Soll der Film auf DVD, sollte man den AC3-Codec (auch “Dolby Digital”) verwenden. Für Stereo (2CH) sollte diese Lizenz frei sein (korrigiert mich, wenn nicht der Fall!). Bei Multikanalton sieht das bisschen anders aus, sofern ihr die DVD in den Handel bringen wollt (also Geld damit verdient, egal wer es kauft!). Mit MP2, der oft als Möglichkeit angegeben wird, hab ich schlechte Erfahrung gemacht, was Kompatibilität angeht. Entweder war der Ton asynchron, hat gekratzt oder wurde erst gar nicht abgespielt. AC3 ist da weiter verbreitet.
Eure WAV-Spur bekommt ihr z.B. mittels dem Konvertierungswunder “SUPER” (Googlen!) in AC3:
- Zuerst ist es WICHTIG, dass für die DVD euer Ton eine Abtastrate von 48 kHz hat (rechte Maustaste auf die .wav-Datei und “Eigenschaften”, dort steht diese in der “Dateiinfo”). Sollte das nicht der Fall sein, stellt dies NICHT im Schnittprogramm (Magix) um, da sonst der Ton gestreckt oder gestaucht wird (hört sich lustig an^^). Außerdem hat bei Magix Video Deluxe diese Aktion mir die Schnittdatei ruiniert.
Wenn ihr den gerenderten Ton in 44 KHz (bzw. 44100 Hz) (oder andere Abtastrate) habt, helft euch VOR der Konvertierung zu AC3 mit folgendem Trick: Nehmt das kostenlose “Audacity” (googlen!) und öffnet die .wav-Datei. Stellt ganz unten am Rand “Projekt-Frequenz Hz” 48000 ein. Speichert den Soundtrack über die “Export”-Funktion (Datei-Exportieren) wieder als .wav. Audacity formt dann automatisch die Abtastrate um, ohne das Tonfehler oder Asynchronitäten reinkommen.
- In “SUPER” wählt ihr als “Output Container” AC3 aus und stellt bei der Bitrate 192 kbit/s für Stereo ein (Achtung, höhere Werte können Probleme mit dem Ton erzeugen!) – wollt ihr einen Multikanal-Ton haben, müsst ihr euch mit spezieller Software behelfen, die euch die Spuren zur einer 5.1-AC3-Spur zusammenfasst, die meist 384 kbit/s haben. Diese Software kostet meistens auch etwas. Einfach mal googlen!
- Als “Sampling Freq” müsst ihr “48000″ einstellen, “Channels” auf “2″ (ich denke 6CH-AC3 kann man hier nur bei nem 6CH Input erreichen, hab das noch nicht getestet).
- Bei “SUPER” gibt es übrigens unter “Video” den Button “Other Opts” (andere Optionen), wo man UNBEDINGT “Adjust the Encode Volume” aktivieren muss und den Wert auf 0dB einstellen sollte, da der Ton sonst bei nach der Konvertierung übersteuert (keine Ahnung warum -.-). Hier besteht natürlich auch die Möglichkeit leise Spuren lauter zu machen, die solltet ihr aber besser in einem Audio-Editor (Audacity (googlen!), etc.) machen und hier “Normalisieren” (steht dort unter Effekte). Damit verhindert ihr, das bestimmte Spuren übersteuern und ein Kratzen im fertigen Ton hinterlassen. Solltet ihr aber wie in “Teil 2: Die Verarbeitung” die Lautstärken richtig angepasst haben, sollte die Gesamtlautstärke des Soundtracks annehmbar sein.
Aus eurem Ofen kommt dann eine fertige AC3-Spur, die ihr in speziellen DVD-Authoring-Programmen reinladen könnt. Sollte die Spur verkehrter Weise noch nicht in 48 KHz sein, wird euch das Authoring-Programm sicherlich eine Meldung ausgeben, denn andere Abtastraten (und auch Bitraten) könnten sich inkompatibel auf DVD-Player auswirken.
Noch ein kleiner Hinweis zum Schluss: Ihr solltet unbedingt mit dem “Dolby Digital”-Logo aufpassen, lasst es lieber auf eurem DVD-Cover weg. Das Logo ist schließlich geschützt. Genauso die Angabe “Dolby Digital”. Schreibt am besten nur “Stereo” oder AC3 2.0″ hin.
Falls die Frage aufkommen sollte: Und “DTS”? Im Amateurfilm sollte man das nicht verwenden. Erstmal kann nicht jeder Player (egal ob Software-Player oder Gerät) das abspielen und ihr müsst schon recht professionell gearbeitet haben, damit man den Unterschied zum normalen AC3 hört. Außerdem gibts das (glaub ich) nur für Multikanal-Ton.
Viele Hollywood-Filme werden nur mit Dolby Digital ausgeliefert und wenn DTS, dann ist meist auch eine Dolby Digital-Spur mit drauf – nicht umsonst.
Soviel zum Thema “Der gute Ton”, wünsch euch viel Spaß und vlt. sollte das Problem “Filmton” bisschen kleiner geworden sein.
Sollten Fehler da sein, einfach bescheid geben, bin auch kein Sounddesigner, sondern nur Hobbyfilmemacher
En Gruß daheim, soweit von mir…
