[TUTORIAL] “Der gute Ton” – Teil 2: Die Verarbeitung

Nachdem ich das letzte Mal “Der gute Ton – Teil 1: Die Aufnahme” hier gepostet hab, in dem es um die Aufnahme ging, möchte ich hier nun im zweiten Teil die Nachbearbeitung (Sounddesign) ansprechen, die meistens noch eine Menge verbessern kann, aber auch verschlechtern (folgende Beschreibungen erkläre ich teilweise mit dem Videoschnittprogramm “MAGIX Video Deluxe”, wobei die einzelnen Funktionen auch in jedem anderen Schnitt- bzw. Audio-Programm zu finden sein sollten!)

. . . D E R   O R I G I N A L T O N . . .

Es ist wichtig, dass man den Ton unkomprimiert (.wav) von der Kamera aufnimmt, damit man später keine großen Qualitätsverluste hat. Ich bearbeite den Filmton gern in einem Videoschnittprogramm, damit ich vergleichweise den Film immer synchron zum Ton hab. Sofern in diesem Programm die nötigsten Funktionen vorhanden sind, sollte das für den Amateurfilm kein Problem sein.

- Bevor man sich an den Ton macht, sollte man aber den Filmschnitt beendet haben (ohne Hinzufügen von Soundeffekten oder Geräuschkulissen) und den Film einmal rausgerendert haben.
- Macht dann eine Kopie der Filmschnitt-Datei (damit ist nicht der Film selbst gemeint!), öffnet die Kopie und fügt den fertigen Film in eine neue Spur ein. Dabei deaktiviert oder entfernt die anderen Filmschnippsel ((Guckst du HIER – rot durchgestrichene Spuren am besten entfernen!)). In Magix Video Deluxe könnt ihr übrigens mit STRG-M die Bild-Ton-Gruppierungen auflösen!
- Danach habt ihr euren Film + mehrere Spuren für euren Ton, an dem ihr euch nun austoben könnt ((Guckst du HIER)).

Um folgende Vorgänge zu verstehen, empfehle ich “Der gute Ton – Die Aufnahme” zu lesen, wenn noch nicht passiert, um den Aufbau des Filmtons zu verstehen.

- Achtet nun darauf, dass ihr die einzelnen “Tonpäckchen” (Elemente) in den Spuren nicht mehr verschiebt, da ihr sonst eine Asynchronität erzeugt, die teilweise recht schwierig wieder auszubessern ist. Also speichert eure konstruktiven Veränderungen regelmäßig und fertigt Sicherheitskopien der Schnittdatei an (hat mir auch schon viel gerettet^^).
- Wenn ihr für Sprache und Effekte, die vor der Kamera passierten, ein Monomikrofon (Richtmikrofon) verwendet habt, kann es sein, dass der Ton nur auf einer Seite vorhanden ist. Aber folgenden Schritt führt ihr auch aus, wenn ihr ein Stereomikro (z.B. das von der Kamera) verwendet habt: Ihr definiert den kompletten Originalton als “Mono” (bzw. Einkanalton). Die Definition geht in Magix mit dem “StereoFX” im AudioCleaning-Fenster ((Guckst du HIER)). Setzt hier den Pegel für die Stereobreite nach unten oder wählt als Preset “Mono”. Durch das Markieren aller Audiospuren kann man das in einem Schritt erledigen.

Wie ihr nun beim Testen hört ist die Sprache auf beiden Lautsprechern gleich gut zu hören. Selbst beim vorherigen Stereoton werden beide Kanäle zu einem gemischt. Jetzt fragt sich einer “Ja, ich will doch Stereo am Schluss haben, damit sich das besser anhört?!”? Antwort: Der Originalton von eurem Dreh ist nur ein Teil des fertigen Stereotons, der sogenannte gedachte “Center-Kanal”. Durch diese Bearbeitung wirkt der Ton am Schluss “filmischer”, da die “Großen” schließlich auch mit diesem Verfahren arbeiten. Nach Wahl kann man bei bestimmten Szenen durch die Balance-Regelung des Monotons die Sprache nach links oder recht verlegen, wenn z.B. jemand aus dem Blickfeld rechts oder links rausgeht und dabei noch etwas sagt – das sollte meist nicht so oft vorkommen, denn alles was man sieht, sollte auch in der Mitte gehalten werden (Achtung: Bei Magix Video Deluxe sollte ihr lieber mit Panorama-Keyframes die Balance einstellen – siehe weiter unten “Balance-Effekte”). Was nun folgt ist das Hinzufügen der ergänzenden Komponenten zum kompletten Ton eures Filmes.

. . . S P E C I A L   S O U N D   E F F E C T S . . .

Nun liegt es an eurer Fantasie, wie ihr den Ton weitergestaltet. Die wichtigen Elemente Sprache und “ON-Effekte” (Effekte mit sichtbarer Quelle) habt ihr bereits. Nun kommen bestimmte Soundeffekte hinzu, die vor Ort nicht aufnahmefähig waren oder nicht richtig rübergekommen sind. Diese müsst ihr duch Clip-Art-Gallerien (offline oder online) oder durch eigene Soundherstellung (als ein sogenannter “Foley Artist”) selbst herstellen.

- Dazu nehmt ihr am besten ein gutes (Richt-)Mikrofon, das je nach Soundeffekt auch in Stereo aufnehmen kann. Denkt aber daran, dass alles was direkt vor der Kamera passiert (Glas fallen lassen, irgendwas zertrümmern, ein Schrei,…) als Mono zum Originalton hinzukommen sollte.
- Bestimmte “große” Effekte (Explosionen, etc.) die um die Kamera herum passieren (sollen^^) kann man als Stereospur hinzufügen. Sollten Effekte direkt von links oder rechts kommen (Tür schließen, etc.) könnt ihr hier wie bei der Sprache auch den Balance-Regler (bzw. siehe weiter unten “Balance-Effekte”) in die entsprechende Richtung verschieben – bei nachträglich eingefügten Soundeffekten kann dies öfter vorkommen.
- Ihr könnt auch durch Übereinanderlegen von mehreren Sounds neue Effekte gestalten, dazu müsst ihr euren Wunschsound im Kopf aber immer in seine Einzelteile zerlegen (Autocrash=Knall durch Verformung des Bleches + Glasklirren durch Zerstörung der Scheiben/Lichter). Gerade bei Horror- oder Fantasiefilmen könnt ihr dadurch interessante neue (und auch unnatürliche) Effekte erzeugen.
- Mit Hilfe von Audio-Werkzeugen könnt ihr euren Ton starkt verbessern und ihn teilweise noch realistischer darstellen. Dazu mehr weiter unten!

. . . A M B I E N C E . . .

Nach der Sprache und den ganzen Effekten, die meist in Mono auftreten kommt hier eine wichtige Komponente dazu, die den Stereoeffekt erst richtig ausmachen: Umgebungsgeräusche, die die Atmosphere einer Szene wiedergeben, auch “Ambiance” genannt.

- Die Ambiance-Tracks sollten auf jeden Fall in Stereo vorhanden sein, damit man sich in dem Ort, der im Film gezeigt wird, “reinziehen” lassen kann.
- Man kann diese Tracks (Aufnahmen) leicht selbst herstellen: Sofern eine Kamera ein Stereomikro eingebaut hat und diese Kamera kein Laufgeräusch mit aufzeichnet, kann man hiermit bestimmte Umgebungsgeräusche aufnehmen. Das kann man beim Dreh machen (davor oder danach) oder auch später erst. Dazu einfach ein paar Minuten der gewünschten Umgebung (Wald, Straßengeräusche von draußen/drinnen, Maschinengeräusche, etc.) aufnehmen und später mit in die Nachbearbeitung reinnehmen.
- Es gibt auch Webseiten, die Ambiance-Tracks anbieten, meist sind die aber geschützt bzw. nicht für den kommerziellen Bereich verwendbar. Außerdem freut man sich später umso mehr, wenn man sagen kann: “Alles selbst gemacht!” ;) . So könnt ihr dann mit einer Checkliste auf Reisen gehen um passende Geräuschkulissen zu finden (Soundeffekten kann man meistens zu Hause machen, da hier die Umgebung keine große Rolle spielt – hier sollten dann bestenfalls gar keine Umgebungsgeräusche bzw. kein Hall vorhanden sein!).
- Teilweise kann man auch mit Dingen aus dem Haushalt eine Umgebung “simulieren” (Wasser aus der Gießkanne auf eine Fläche gießen für Regenwetter). Denkt dran, dass ihr die Geräuschkulissen nachträglich digital verbessern/anpassen könnt (siehe weiter unten).

Mehr ist zum Thema Ambiance nicht zu sagen – lasst eurer Fantasie freien Lauf und denkt daran: Später merkt man nur bei wirklich stark misslungenen Effekten das es nicht “echt” ist – und selbst bei den großen Filmen wird fast alles im Ton später hinzugefügt – also nur wenige Originalaufnahmen werden vorwendet (meist nur Dialoge).

. . . A N P A S S U N G ,   E F F E K T E . . .

Nun kommen wir zur Verbesserung des Tons. Egal ob Originalton oder hinzugefügter Ton (Effekte, Ambiance) – ab und zu muss man kleine Anpassungsänderungen vornehmen. Dazu gibt es mehrere Hilfsmittel.

Lautstärkeanpassung
Wichtig ist, dass ihr nach dem Hinzufügen der einzelnen Elemente (SoundFX, Ambiance) diese nun anpasst. Dazu habt ihr ein gewisses Spektrum, dass in Magix durch einen kleinen grünen Streifen rechts angezeigt wird. Dies ist die Lautstärke einer Spur. Wenn ihr euch eine Einstellung/Szene anhört, müsst ihr hier schauen, dass der Ton nicht in den roten Bereich kommt. Wenn ihr in Magix das “Master Audio-Effect Rack” aufruft, könnt ihr euren Ton noch genauer verfolgen ((Guckst du HIER – links grüner Streifen der jeweiligen Spur, rechts Master Audio-Effect Rack mit genauen Angaben)). Wird der grüne Streifen rot (bzw. 0 dB erreicht), ist dies eure [bold]obere Grenze[/bold], darüber kann der Ton übersteuern und ein hässliches Brummen erzeugen. Ein zu leiser Ton kann später durch nachträgliches Verstärken der Mulitmedia-Programme Rauschen miterzeugen. Ein Blick auf die visualisierte Tonspur (am besten in “Wellenform”, sind bei Magix diese blauen Zacken innerhalb der Elemente) kann auch Auskunft über laute und leise Töne geben. Beispielsweise kann hier ein Filmklappenschlag als Grenze dargestellt werden.

- Nachdem ihr eure Elemente alle eingebaut habt, müsst ihr nun schauen, welches euer lauteste Effekt in dem kompletten Film ist (z.B. lautes Schreien, Knall, Explosion,…). Diesen Effekt macht ihr so laut es geht (kurz vor rot!) und nimmt diesen als Referenz für eure “Sound-Dynamik“.
- Diese Dynamik besagt, wie groß der Unterschied zwischen dem lautesten und dem leisesten Ton (Flüstern, etc.) ist. So größer der Unterschied, desto gewaltiger können Effekte sein, aber bei schlechtem Originalton kann man bestimmte Passagen dadurch schlechter verstehen. Reizt es nicht zu arg aus, sonst wird euer Zuschauer dauernd am Lautstärke-Regler seiner Lautsprecher drehen müssen, was teilweise etwas nervig sein kann. Anfänger sollten also keine große Dynamik verwenden – hängt schließlich immer von der Aufnahmequalität (speziell Originalton bzw. Sprache) ab.

- Stellt eure Lautsprecher nun auf diesen lautesten Ton ein, wie ihr ihn hören wolltet, wenn ihr den Film schaut (ich empfehle übrigens einen guten Kopfhörer (große Ohrmuschel, großes Frequenzspektrum), die man schon ab 25€ aufwärts bekommt oder eine gute Anlage (mit Subwoofer) – wobei man über Kopfhörer evtl. Störgeräusche besser heraushört, aber die Bässe mit einer Anlage besser steuern kann – und eine gute Soundkarte (ich empfehle Creative-Karten mit 24 Bit und 96khz)).
- Passt nun eure Sprache an. Die Dialoge sollten nicht alle gleich laut klingen. Wenn einer etwas ruft, sollte es dementsprechend auch als lautes Rufen herauskommen – und wenn jemand flüstert, sollte es verständlich sein, aber auch als leises Flüstern herauskommen. Da ihr die Lautstärke eurer Lautsprecher angepasst habt, könnt ihr durchs hören die meisten Elemente gut einstellen und durch Probehören kontrollieren.
- Danach kommen die Soundeffekte, die auch hier passend zur Sprache mit der Referenz zum lautesten Ton angepasst werden sollte. Entsteht ein Effekt weiter weg von der Kamera, sollte er dementsprechend auch etwas leise dargestellt werden. Mit ein bisschen Feingefühl sollte das aber kein Problem sein.
- Zu guter Letzt passt ihr die Ambiance-Tracks an. Achtet hier darauf, dass man durch die Umgebungsgeräusche nicht “gestört” wird, sie dienen ja schließlich eher als Unterlage. Und in einem Wald fliegen die Vögel schließlich nicht mit Megaphonen herum^^. Da diese Tracks meist in Stereo sind besteht die Gefahr, dass sie den Ton in der Mitte (Elemente in Mono) “zerquetschen”. Also hier auch auf verständlichen Originalton achten.
- Ein Tipp: Sollten innerhalb einer Einstellung Lautstärke-Schwankungen vorhanden sein, teilt diese Elemente und passt die Lautstärke hier an. Wenn zwischen den Elementen gerade nichts gesprochen wird und der Ton einigermaßen sauber ist, sollte man keinen großen Unterschied merken, ansonsten behilft man sich mit “Crossfading” (siehe weiter unten).
- Eine weitere Funktion zum Thema Lautstärke ist die bekannte Fading-Methode. Hier kann man einen Ton ein- oder ausblenden lassen, was ab und zu ganz hilfreich sein kann um zu lange Tonspuren zu kürzen oder um “harte Schnitte” im Ton zu vermeiden. Außerdem gibt es eine Keyframes-Methode um die Lautstärke innerhalb eines Elementes zu verändern, wenn sich z.B. ein Soundeffekt der Kamera entfernt. Bei der Keyframes-Methode hat man eine Linie (in Magix rot), die die Lautstärke darstellt. Durch Doppelklick kann man Punkte einbauen, die man in der Höhe verändern kann und dementsprechend damit die Lautstärke verändert – was auch über einen bestimmten Zeitraum passieren kann: die Lautstärke wird dann schnell oder langsam angehoben bzw. gesenkt, dies kommt auf die Länge des Zeitraumes an.

Balance-Effekte
Wie schon erwähnt kann man mit Balance die Richtung/Position des Tons einstellen, man kann aber auch mit ihnen auch gute Stereo-Effekte erzeugen. Läuft jemand von links nach rechts, oder fährt ein Auto an der Kamera vorbei, kann man (sofern man nur Monoaufnahmen hat und nicht vor Ort schon mit einem Stereomikrofon die Geräusche aufgenommen hat) mit Keyframes die Position des Tons verändern. ((Guckst du HIER)). Man kann bei Magix auch in der Spur die roten Linien bearbeiten. Ganz oben bedeutet nur rechts, ganz unten bedeutet nur links. So kann mit mit Hilfe der Linien einen Wechsel durch die Kanäle erzeugen und somit die komplette “Stereowand” ausnutzen. Diese Funktion ist übrigens auch zu empfehlen, wenn (gerade bei Magix) der Balance-Regler bei Stereo-Inhalten, die zu Mono umgewandelt wurden, nicht richtig funktioniert. Bleibt die rote Linie waagerecht verändert sich logischerweise die Position des Elements auch nicht.

Crossfading
Ein wichtiges Utensil zum Korrigieren des Tons ist das Crossfading. Es überblendet den Ton und verbindet damit zwei Elemente. Hat man im Ton einen “harten Schnitt”, also merkt man den Übergang von einer Einstellung in die nächste innerhalb einer Szene, so sollte man diese zwei Teile überblenden (einfach übereinanderziehen ((Guckst du HIER)) oder durch Aus- oder Einblenden der Elemente, nachdem man sie untereinander angeordnet hat). So können auch bestimmte Elemente wiederholt werden (Z.B. Ambiance-Spuren, die zu kurz sind). Wie lange man überblendet muss jeder für sich entscheiden. Wenn z.B. ein “Plopp” an einer Stelle im Ton ist, wo nicht gesprochen wird, kann man diesen herausschneiden und irgendwo ein Element mit etwa den gleichen Hintergrundgeräuschen des Originaltons (die ja ab und zu mit drauf sind) “klauen” (herausschneiden und kopieren) und durch Crossfading dies an der Ploppstelle “hineinkleben”. Denn auch wenn man Ambiance-Spuren hat, fällt eine Lücke im Originalton meistens auf. Crossfading kann man natürlich auch für die Musik verwenden, wenn eine Szene vorbei ist und man gleich direkt in eine andere blenden will.

Equalizer
Ein sehr wichtiges Tool ist der Equalizer, der überall vorhanden sein sollte. Um ihn zu verstehen eine kurze Erklärung:
Ein Ton ist in verschiedene Frequenzen aufgeteilt, die das Ohr wahrnimmt. Dabei stellen die “langsamen” Frequenzen (50-300 Hz) mehr die tiefen Töne da, die “schnelleren” Frequenzen (bis hin zu 16+ KHz) die mittleren, bzw. höheren Töne da. Das heißt, betrachtet man einen Ton zu einem bestimmten Augenblick (Foto), kann man hier deren Charakter einstellen. Dieser wird natürlich dann für ein Element komplett übernommen. Im Gegensatz zu den bekannten Einstellungen “Höhen” und “Bässe” kann man hier je nach Equalizer den kompletten Charakter einstellen (entweder gewünschte Frequenzen erhöhen oder “störende” Frequenzen leise machen). Möchte man z.B. mehr “Bumms” in einem Knall haben, kann man hier die tiefen Frequenzen anheben. Will man die Sprache deutlicher machen, kann mit die Mitteltöne (kommt auf Geschlecht und Alter an welche Pegel genau) höher machen. Will man Rauschen entfernen geht das durch Absenken der hohen Frequenzen. Man kann aber z.B. auch die Charakteristik von Regen verändern (voller Regen, leichter Regen, Regenwetter außerhalb des Drehortes,…). Auch hier kann man durch Probehören das perfekte Ergebnis erzielen. Viele Equalizer haben auch schon Presets, die man für sich dann noch anpassen kann ((Guckst du HIER)). Mit Hilfe des Master Audio-Effect Racks kann man neben “Spectrum” auch die Lautstärke verschiedener Frequenzen kontrollieren.

Reverb (Hall), Delay (Echo)
Hier kann man Einstellungen der Umgebung vornehmen. Befindet man sich z.B. in einer großen Halle, kann man hier den Nachklang (Reverb, Hall) dafür bestimmen. So klingt vieles nicht mehr so matt, sondern bekommt einen zusätzlichen Stereo-Effekt – auch wenn das Element in Mono ist. Man kann in Magix Raumgröße, die zeitliche Länge des Halls, Helligkeit und die Lautstärke des Halls (“Mix”) einstellen ((Guckst du HIER)). Denkt daran, so näher sich das Gespräch oder das Geräusch an der Kamera befindet, desto weniger Hall sollte dies auslösen. Schreit aber eine von weiter hinten durch eine Kirche, kann man hier schon viel Hall hinzumischen. Man kann übrigens auch vorhanden Hall anpassen bzw. leicht entfernen in dem man mit diesem Tool oder auch dem Equalizer arbeitet. Den Equalizer kann man hier auch gut zur Verfremdung verwenden, wenn z.B. sich jemand hinter einer Tür befindet, der Dialog aber aus qualitativen oder/und technischen Gründen erst nachträglich eingefügt wird. Dort sollten dann die hohen Frequenzen abgeschnitten werden, damit es realistischer wirkt.
Ein Echo kann bestimmte Umgebungen noch unterstützen (gerade bei SoundEffekten), wird aber auch gern bei Traumsequenzen verwendet – hier wieder auf verständliche Sprache achten!. Hier kann man Delay (zeitl. Verzögerung), Feedback (Anzahl der Wiederholungen) und die Lautstärke (“Mix”) des Halls einstellen.

Timestretching, Pitchen
Dies ist ein Instrument zum Verändern der Geschwindigkeit bzw. der Tonhöhe (“Pitchen”). Da gibt es verschiedene Arten: Einmal kann man Geschwindigkeit und Tonhöhe zusammen verändern (“Resample“) und man kann sie unabhängig voneinander bearbeiten (Vorsicht: Zuviel wirkt sich auf die Tonqualität aus!). Hier kann man viel spielen, gerade was auch Stimmcharakteristik einer Person angeht (“Darth Vader”-Stimme, Schlumpf-Stimme,…), man sollte es aber bedacht einsetzen ((Guckst du HIER)). Es gibt in Magix auch eine Funktion “Pitchen einer monophonen Stimme“, die die Charakteristik einer Stimme nicht verändert, sondern nur die Stimmlage verändert (dieselbe Person soll bisschen tiefer oder höher sprechen!). Dazu muss der Originalton aber ziemlich sauber sein, da sonst Verzerrer mit rein kommen. Mit Timestretching kann man übrigens auch Soundeffekte und Musik verfremden, wobei dies natürlich gerade bei Musik NICHT von dem GEMA-Schutz befreit!

Natürlich gibt es noch weitere Hilfsmittel (Kompressor zur Verbesserung der Sprache, Entrauscher, 3D-Sound-Editor…), wobei man beachten soll, dass jede Veränderung an der Qualität zerren kann. Diese kann man aber durch Ausprobieren selbst erforschen.
Zum 3D-Sound-Editor (oder auch “Surround-Editor”): Er ist im Amateurfilmbereich nicht unbedingt nötig, man kann aber hier z.B. etwas gut einstellen, wenn ein Ton selbst in einer Stereo-Spur von hinten kommen soll. Im Grunde wird hier nur die Lautstärke einzelner Frequenzen angepasst. In manchen Fällen kann das ganz nützlich sein.

Will man einen Multikanalton (5.1), könnte man in dem Programm den Ton in drei verschiedene Teile splitten um ein paar Spuren für Vorne, ein paar für Hinten und ein paar für den Center zu erstellen (Ambiance meist auf Vorne und Hinten, Sprache/ON-Effekte Vorne-Mitte (Center) und spezielle Effekte/Sprache entsprechend der Position (z.B. hinten links) einstellen). Diese müssten dann später einzeln (pro Teil) rausgerendert werden und in einem speziellen Programm zu einer Mulitkanal-Datei (AC3, neuerdings auch MP3,…) zusammengefasst werden. Hab das selbst noch nicht ausprobiert, kann also nicht soviel dazu schreiben. Aber ich sag immer: Lieber einen guten Stereoton, als einen schlechten Mulitkanalton – gerade bei Neulingen in der Amateurfilm-Szene.
(MAGIX Video Deluxe 2008 hat übrigens als Hilfe auch einen 5.1 Creator, der als PlugIn dazugekauft werden kann.)

. . . M U S I K . . .

Zu guter Letzt kommt die Filmmusik mit in den Ton. Diese sollte natürlich lizensiert sein (jaja, die gute GEMA -.-) und auch in euren Film passen. Bei aufwendigenen Produktionen kann man vor dem Einfügen der Musik die Tonspur rendern lassen und diese mit dem Film an einen Komponisten schicken (am besten mit Timecodes im Bild). Dieser schickt euch dann gewöhnlich die fertigen Tracks mit einem Timecode, die ihr dann zum Einpassen in eure Tonbearbeitung verwendet.
Abgesehen von den Tracks, die ihr verwendet müsst ihr hier nochmals eine Lautstärkeanpassung zu den restlichen Elementen vornehmen. Manchmal ist es auch praktisch wenn man die Musik etwas dezent in den Hintergrund setzt, damit der Rest gut rauskommt. Ist ab und zu Geschmacksfrage – aber auf jeden Fall solltet ihr immer darauf achten, dass man alles gut versteht (unabhängig der Lautsprecherqualität und Umgebung des Zuschauers!!!). Alles andere kommt danach^^.

Wie ihr nun gelesen habt, ist es gerade im Amateurfilm aufwändiger einen guten Ton zu designen, als das Bild zu schneiden. Aber die Mühe zahlt sich meistens aus.

HINWEIS ZUM TUTORIAL: Die ersten Schritte mit dem Einbinden des Finalcuts in einem Videoschnittprogramm können natürlich auch über andere Wege gelöst werden.  Die angegebene Beschreibung ist auch für schwächere PCs geeignet, da hier durch den berechneten Finalcut beim Synchronisieren der Effekte keine unruhigen Bilder entstehen. Wie man bei speziellen Sounddesign-Programmen die Bildspur als Hilfe verwendet, müsst ihr dort am besten in der Hilfe nachlesen! Außerdem haben manche Schnittprogramm vordefinierte Bild- und Audiosspuren, da müsst ihr euch das dementsprechend zusammenbauen, damit ihr eine Bild- und mehrere Audiospuren habt. MAGIX Video Deluxe überlässt dem User die Entscheidung der Verwendung für jede Spur. Die angegebenen Vorgänge wurden mit der Version 2005/2006 Plus von MAGIX Video Deluxe gemacht – in den neuen Versionen können sich Vorgänge verändert haben bzw. neue Möglichkeiten dazugekommen sein.

Zur Nachsynchro und zur Fertigung des Final-Soundtracks demnächst mehr in Teil 3.
Wer Fehler findet, bitte benachrichtigen, werde das dann korrigieren.

~ von Chris T-Bay - 2. Juli, 2008.

Eine Antwort to “[TUTORIAL] “Der gute Ton” – Teil 2: Die Verarbeitung”

  1. [...] ist damit für viele Situationen gerüstet, sei es die spontane Aufnahme von Interviews und O-Tönen und die Aufnahme von Sounds und Geräuschen mit passenden [...]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

 
Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.